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Was die Aufhebung der Zollfreigrenze für die Logistik asiatischer Onlinehändler in Deutschland bedeutet

Bisher waren Warensendungen bis zu einem Wert von 150 Euro zollbefreit. Aufgrund des hohen Warenaufkommens von Onlinehändlern aus Asien plant die Europäische Union jedoch, diese Zollfreigrenze abzuschaffen.

Ziel ist es, gleiche Bedingungen für Händler aus der EU und Händler aus Drittländern zu schaffen.

Zuletzt hat das Volumen des Onlinehandels wieder merklich zugenommen. Nach einem Einbruch im Jahr 2021, der auf den starken Anstieg während der Corona-Pandemie folgte, verzeichnete der Sektor im vergangenen Jahr erneut Wachstum. Der E-Commerce-Verband BEVH gibt für 2025 ein rund 3,2-prozentiges Wachstum im Online-Warenhandel an. Chinesische Online-Marktplätze wie Shein oder Temu sind dabei besonders umsatzstark und machen etwa 30 Prozent des gesamten Umsatzwachstums aus. Bereits 2024 hatte die EU-Kommission angegeben, dass mehr als 90 Prozent der Kleinsendungen im E-Commerce aus China stammen.

Das Geschäftsmodell dieser Plattformen unterscheidet sich vom klassischen Ansatz, Waren in größeren Mengen in regionalen Fulfillment-Centern zu lagern. Stattdessen wird jeder Artikel einzeln aus Asien direkt an die Endkunden nach Europa gesendet. In Deutschland kommen laut dem Handelsverband HDE täglich rund 400.000 solcher Pakete nach dem Cross-Border-Modell von Shein oder Temu an. Es ist davon auszugehen, dass das Bestellvolumen über diese Plattformen weiter steigen wird.

Die EU schafft die Zollfreigrenze ab

Die bisherige Zollfreigrenze macht es den asiatischen E-Commerce-Händlern leicht, ihre Waren direkt nach Europa zu senden. Um das hohe Volumen dieser Transporte zu reduzieren sowie die Bedingungen für asiatische und europäische Händler anzugleichen, plant die EU die Abschaffung der Zollfreigrenze. Hierfür ist allerdings ein Ausbau der IT-Infrastruktur und des EU-Zolldatenhubs notwendig, der voraussichtlich noch etwa zwei Jahre in Anspruch nehmen wird. Für die Zeit bis zur vollständigen Abschaffung hat der EU-Rat ab dem 1. Juli 2026 einen pauschalen Zollsatz von 3 Euro pro Paket für Kleinsendungen aus Drittländern mit einem Warenwert unter 150 Euro beschlossen. Zusätzliche Gebühren für das Handling sind im Gespräch und könnten Ende 2026 eingeführt werden.

Europastrategie des asiatischen E-Commerce und Auswirkung auf Deutschland

Vor dem Hintergrund der veränderten Einfuhrbedingungen sowie der wachsenden Nachfrage treiben chinesische Plattformen gerade ihre Expansion in Europa voran. Shein lässt ein circa 740.000 Quadratmeter großes Logistikzentrum in der Nähe von Breslau in Polen errichten. Temu und AliExpress bauen ihre Lagerkapazitäten europaweit durch externe Logistikdienstleister aus, um die Bestellungen lokal versenden zu können.

Die steigende Nachfrage nach Lagerflächen konzentriert sich dabei besonders auf Nordrhein-Westfalen. Dort entfielen schon 2025 rund 85 Prozent der Vermietungsanfragen von Logivest NRW auf asiatische Händler. Die zentrale Lage in Europa mit Nähe zu den ARA-Häfen Antwerpen, Amsterdam und Rotterdam führt zu einer hohen Attraktivität der Region. Duisburg fungiert in diesem Zusammenhang bereits als europäischer Logistikknotenpunkt für China.

Aktuell sind die Marktplatzanbieter im Rahmen ihrer europäischen Wachstumsstrategie vor allem an Mietflächen interessiert, die ihnen maximale Flexibilität und schnelle Skalierbarkeit bieten. Dabei geht es um 3.000 bis 5.000 Quadratmeter große Flächen für die lokale Kommissionierung und Retourenabwicklung sowie um Flächen ab 10.000 Quadratmetern für Fulfillment Center.

Mit der Abschaffung der Zollfreigrenze ist von einer Erhöhung der Expansionen auszugehen. Dies wird spürbare Auswirkungen auf den deutschen und europäischen Logistikimmobilienmarkt haben. Insbesondere die Nachfrage asiatischer Unternehmen könnte den aktuell verhaltenen Markt wieder zu einem Aufschwung verhelfen, wovon auch Logistikdienstleister profitieren dürften.

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